Die Ulmer Laufnacht  - 100 km bei Ulm, durch Ulm und um Ulm herum

 

 Bericht von Walter Mödinger

 

Vorneweg ein paar positive Anmerkungen: Kurt, Ralf und ich haben den Ulmer Nachtlauf als Vorbereitungslauf zum diesjährigen UTMB absolviert. Kurt begleitete Tanja sehr erfolgreich in 11:32:18 zu ihrem ersten 100km Finish. Ralf erreichte erfolgreich die 100km-Ziellinie in 12:39:27. Auf meiner ´Hausstrecke´ erreichte ich ebenfalls das Ziel mit Startnummer 1 in 9:37:45. Hier nun mein Bericht :

 

Der erste Ulmer 100 km Ultralauf, die ´Ulmer Laufnacht´ ist Geschichte. Schon der Name und der Lauf auf einer großen 100 km Schleife, lässt erahnen, dass der grundsätzliche Ansatz eine Ähnlichkeit mit dem legendären Bieler Nachtlauf aufweist. Dass beide Veranstaltungen am gleichen Tag und nahezu zur gleichen Stunde stattfanden, sorgte im Vorfeld für einige Verwirrungen. Äußere Einflüsse, so der Veranstalter, mit mehreren Terminverschiebungen zwangen wohl zur ungewollten Terminüberschneidung. Sei es drum, als Ulmer habe ich mich dann letztlich doch für Ulm entschieden. Was neues und die Herausforderung am Heimatort. Bei der Anmeldung noch im alten Jahr konnte mit einer Starterzahl von vielleicht 100, bestenfalls 150 gerechnet werden. Am Ende waren es dann doch ca. 330 Einzelstarter und 93 Staffeln. Die Veranstaltung und damit die Strecke ist neu. Daher sollen im nachfolgenden Bericht möglichst detailliert die Fakten der ´langen Ulmer Nacht´ zusammengetragen werden.  

 

Außer den Ultrastrecken werden keine weiteren Wettbewerbe angeboten. Also ein klares und einfaches Ultra-Programm auf der einzigen offiziell vom DLV-vermessenen großen Runde. Für die ´Unterdistanzen´ gibt es in Ulm bekanntlich eigene Veranstaltungen wie etwa den Einstein-Marathon. Neben dem Einzelstart über 100 und 50 km ist ein Vierer-Staffellauf mit 20, 30, 30 und 20 km sowie ein Zweier-Staffellauf mit je 50 km auf den ebenfalls vermessenen Teilstrecken möglich. An den Wechselzonen können Einzelstarter vorgezogen finishen. Starter der 100 km-Strecke werden nach den DLV Altersklassen-Kriterien gewertet. Die Zeitnahme erfolgt mittels Chip. Wer will, kann sich durch einen Fahrradfahrer begleiten lassen oder einen solchen beim Veranstalter buchen.

 

Die Strecke

Die Runde führt auf nahezu vollkommen verkehrsfreien Wegen großzügig um die Stadtgrenzen um Ulm herum und durch Ulm hindurch. Weite Abschnitte verlaufen entlang den Flüssen Blau, Iller und Donau, was irrtümlich auf einen leichten Streckenverlauf schließen lässt. Soviel sei schon einmal verraten, mit gut 850 positiven Höhenmetern auf abschnittsweise recht anspruchsvollem Untergrund handelt es sich bei der Ulmer Runde keinesfalls um ein einfaches Unterfangen. 

 

Abschnitt 1: Start- Wechselzone Erbach (km20)

Gestartet wird um 23:00 Uhr in Blaustein, also ein paar km westlich von Ulm. Es geht zunächst flach westwärts wo im beschaulichen Tal das Flüsschen  Blau zweimal überquert wird. Nach gut 4 km aufwärmen gilt es nach Arnegg den ersten längeren aber gut zu laufenden Anstieg zu bewältigen. Auf den folgenden 5 km steigt der Höhenmesser immerhin um 140m. Eine Engstelle zu Beginn des Anstiegs wird von dem Einen oder Anderen des noch geschlossenen Starterfeldes vielleicht als störend empfunden. Es wird Markbronn tangiert und nach 10 km der erste Versorgungspunkt (VP) Erstetten erreicht. Hier warten auch die Radbegleiter, die schon vor dem Start der Läufer auf die Strecke geschickt wurden. Bis zur ersten Wechselzone in Erbach bei km 20 geht es zwar stets leicht bergab, so manch heftiger Gegenanstieg, besonders der Anstieg zum Schloss Erbach (großer VP) zehrt bereits merklich an den Kräften. Abschnitte auf Schotter- und Waldwegen erfordern nicht nur wegen der Dunkelheit etwas Konzentration.

 

Abschnitt 2: Wechselzone Erbach (km20) – Wechselzone Ulm (km50)

Von dort fällt der Weg zunächst ab bevor nach Erbach im Donautal längere Flachabschnitte warten. Entlang der Donau, auf einem befestigten Radweg, wird bald Donaustetten mit der Wasserstelle (WS) bei km 26 gestreift. Das Donautal wird in östliche Richtung auf gut ausgebauten Strecken mit kaum spürbaren Höhenmetern verlassen. Das Läuferfeld durchquert Unterweiler (VP km 30) und Unterkirchberg (WS km 33). Erst nach dem südlichen Abstecher, also nach der Südkehre bei Essendorf (VP km 37), kommt mit einem spürbaren Anstieg mit nicht einmal 40 Höhenmetern die ersehnte Abwechslung . Die Hochfläche gibt einen wunderschönen Blick auf das beleuchtete Ulm frei. Bei Unterkirchberg fällt das Gelände dann von der Hochfläche ab und  bald ist rechts der dritte Fluss, die Iller, zu sehen. Flussabwärts, nun wieder auf einem Schotterweg, zweigt nach einigen km der Weg links zum Kloster Wiblingen ab. Ein Wirtschaftsweg, der kurzzeitig auch mal zum Auftrieb der Pferde auf die nahe liegende Koppel gesperrt werden kann, muss passiert werden. Nach der Umrundung des Klosters und dem dortigen VP (km 44) geht es zurück zur Iller und folgt dieser bis zur Donaumündung. Stromabwärts tauchen bald die ersten Häuser vom bayrischen Neu-Ulm auf. Rechts, beim überqueren der Donau über die Adenauer Brücke, öffnet sich ein Postkartenblick auf das Ulmer Donauufer mit der Altstadt und dem Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Nach 50 km, nun wieder auf Baden-Württembergischer Seite, und der Hälfte der Strecke ist an der oberen Donaubastion zum zweiten Male große Verpflegung angesagt. Für die 50 km-Finisher ist hier das verdiente Finale.

 

Abschnitt 3: Wechselzone Ulm (km50) – Wechselzone Wilhelmsburg (km 80)

Ostwärts direkt am Donauufer wird die Ulmer Altstadt auf weiterhin meist flachem Terrain gestreift. Stromabwärts, über den Fußgängersteg Friedrichsau (WS km 53), ist die Donau erneut zu überqueren. Dem Fluss auf dem Dammweg folgend wird über die Thalfinger Brücke letztmalig die Flussseite (WS km 58) gewechselt. Abgesehen von den Brücken müssen kaum Steigungen überwunden werden, der stellenweise unebene Untergrund erfordert aber etwas Konzentration. Ostwärts, nach dem kerzengeraden Donau-Dammweg ist bei Laufkilometer 62 nach Norden abzubiegen. Ab Oberelchingen, wo ein beschrankter Bahnübergang passiert wird, verläuft die Stecke auf einem Fuß- und Radweg zum östlichen Wendepunkt in Unterelchingen. Die dortige Kehre beschert schlagartig völlig neue Bedingungen. Zunächst geht es auf einem steilen Straßenanstieg gefolgt von einem Fußweg mit mehreren Kehren rund 100 Höhenmeter hinauf zur Klosterkirche Elchingen. Nach einem Schotter- und Grasweg und der Durchquerung des Klosterfriedhofs liegt bei km 65 der nächste VP. Weiterhin ansteigend führt die Route westwärts. Etwas später ist links ein Blick auf das morgendliche Donautal möglich. Nach einem wenig welligen dafür aber kieseligen Waldweg geht es über eine verkehrsarme Straße hinunter nach Thalfingen. Gleich am Ortseingang ist rechts an der WS bei 68km nach Westen abzubiegen. Auf einem Grasweg und späteren Straßenabschnitt wird der Weiler Kesselbronn tangiert. Die gerade mal 70 Höhenmeter werden als deutlich mehr empfunden. Die B19 wird westwärts unterquert, es folgt ein leicht welliger Waldweg. Ein geteerter Feldweg führt zuerst entlang und später über die Bahnlinie. Mitten in Jungingen wird bei km 75 Erholung am VP angeboten. Nach einem steten Auf und Ab und der Durchquerung des südlich gelegenen Gewerbegebietes taucht rechts in einem kleinem Waldstück die Wilhelmsburg auf. Zunächst entlang dem Festungsgraben dann durch das Festungstor wird am Rande des innenliegenden Exerzierplatzes die dritte Wechselzone mit dem großen VP erreicht.

 

Abschnitt 4: Wechselzone Wilhelmsburg (km 80) – Ziel (km 100)

Steil auf einem Schotterweg bergab und weiter durch einen engen Mauertunnel wird sodann über eine Brücke auf die andere Seite des ebenfalls abfallenden Festungsgrabens gewechselt. Ein Blick auf die imposanten Befestigungsanlagen lässt die Strapazen fast vergessen. Nun wieder heftig ansteigend wird die Wilhelmsburg umrundet, um anschließend nach einem Taleinschnitt zum Ortsteil Lehr auf der Ulmer Albhochfläche aufzusteigen. Nach dem Lauf-km 85 und VP in Lehr wird ein kleines Tal in nördlicher Richtung durchquert, um bei der Rommelkaserne (unbesetzte WS bei km 87) nach Westen abzubiegen. Etwas versteckt, am Tor der Kaserne, stehen ein paar ausgediente alte Panzer zur Schau. Die breite, harte Militärstraße fällt gegen Ende unangenehm steil ab. Weiter, in westlicher Richtung führt ein Feldweg durch ein Seitental hoch nach Mähringen. Nach dem VP bei km 90 ist letztmalig in nördlicher Richtung abzubiegen. Auf einem kaum ansteigenden geteerten Wirtschaftsweg und der nördlichen Kehre kommt schnell der VP Bollingen (94 km). Meist leicht bergab, zuletzt auf einem schönen Naturweg, geht es ins Kiesental, wo man zügig bergab geschoben wird. Kurz nach der Wegmarkierung bei km 95 und einer Linkskurve muss letztmalig ein Anstieg mit gerade mal 25 Höhenmetern überwunden werden. Abgesehen von zwei sehr kleinen Gegenanstiegen geht es den letzten Abschnitt stets leicht abfallend dem Ziel entgegen.

 

Die höchst abwechslungsreiche Strecke auf der großen Runde bietet Elemente sowohl für Sprinter wie auch für Bergspezialisten. Etwa 40% befestigte Abschnitte der Ulmer Nachtrunde wechseln sich kurzweilig mit Schotter- und Graswegen ab. Befahrene Straßen und Straßenquerungen sind die Ausnahme. Nach einer hügeligen Aufwärmphase auf den ersten 20 km folgen sehr lange Flachabschnitte entlang der Iller und der Donau. Die Sehenswürdigkeiten wie das Erbacher Schloss, die Klosterkirche Wiblingen oder das Ulmer Donauufer werden meist noch bei Nacht passiert. Ab km 64 beschert der anbrechende Tag höchst anspruchsvolle Streckenabschnitte mit viel auf und ab auf stellenweise anspruchsvollem Untergrund. Die Wilhelmsburg, deren Fertigstellung genau 150 Jahre zurück liegt, umrunden die schnellen Läufer noch im Morgengrauen. Der Schlussabschnitt bietet mit meist abfallendem Gelände ein geradezu versöhnliches Finale. Die Strecke ist reichhaltig mit Sperrgitter, Pfeilen, Lämpchen, Trassenbänder und Bodenmarkierungen versehen, so dass man sich schwer verlaufen kann. Innovativ und simpel: linke Seite stets gelbe Bänder, rechte Seite orange Bänder.

 

Die Organisation

Die Ulmer Laufnacht ist eine relativ kleine Veranstaltung. Dementsprechend geruhsam geht es zu. Keine Wartezeiten, kein Gedränge, freundliche Helfer. Eine obligatorische ´Nudelparty´ und das Briefing für Einzel- und Staffelläufer verkürzen die Wartezeit bis zum Start. Der Veranstalter hat einiges unternommen, um aus der Teilnahme an der ersten Ulmer Laufnacht ein unvergessliches Erlebnis zu machen. Das Balonglühen am Start sowie ein imposantes Feuerwerk sind ein stimmungsvoller Auftakt. Die Verpflegung an der Strecke ist reichhaltig und entspricht dem Standard. Zwischen den Verpflegungspunkten sind oftmals Wasserstellen eingeschoben, so dass der Dehydrierung auch bei Hitze begegnet werden kann. Ergänzende Ultra- Varianten wie warme Kartoffeln, Hartwurst, alkoholfreies Bier, Kaffee oder auch mal Würstchen bereichern das Angebot. Wer will, kann seine eigene Verpflegung an den Wechselzonen deponieren lassen. Im Ziel sorgt ein reichhaltiges Angebot für eine schnelle Erholung. Mit einem Besuch des nahe gelegenen Freizeitbades ´Bad Blau´ kann man den Lauf mit einer wohltuenden ersten Regenerationseinheit ausklingen lassen. Leistungen, für die man anderenorts auch schon mal tief in die Tasche greifen muss.

 

Zum Sportlichen – die Ergebnisse

Das Rennen wurde bei optimalen Wetterbedingungen bei ca. 10 grd. bei Nacht und 20 grd. am sonnigen Tag ausgetragen.

Das Ziel der 100 km-Strecke erreicht haben 175 Einzelstarter, 25 Einzelstarterinnen. 85 Viererstaffeln und 5 Zweierstaffeln. Dazu 78 Starter der 50-km Distanz.

Sieger der Frauen wurde mit einer Zeit von 9.30:32 die 59 jährige Dana Jungmann gefolgt von Antie Schuja (9:38:01) und  Monika Schulz (10:18:57).  Bei den Männern setzte sich Dr. Thomas Miksch mit der Siegerzeit von 7:58:45 vor Albert Arnold (8:00:41) und Jürgen Hauber (8:19:41) durch. Alle weiteren Ergebnisse können unter www.ulmer-100km.de nachgelesen werden.

 

Als ´Biel-Veteran´ und begeisterter Anhänger der Bieler Nacht kann ich mir abschließend einen Vergleich beider Veranstaltung kaum verkneifen. Wie gesagt, der grundsätzliche Ansatz mit einem Nachtlauf auf einer großen Runde ist ähnlich. Mit mehr Höhenmetern, deutlich welligerem Profil und geringeren Straßenanteilen dürfte Ulm als deutlich schwerer empfunden werden. Was beim einen der legendäre Emmendamm ist, ist beim anderen der Weg um die Festungsanlage Wilhelmsburg. Schwer zu laufende Untergründe sowie unvergleichliche Abschnitte findet man bei Beiden. Das Erlebnis hinsichtlich Strecke, Größe, Flair und Begleitprogramm sind höchst unterschiedlich mit jeweils eigenständigen Akzenten. Was die Zuschauerresonanz in Biel wie auch die Festlichkeiten an den frühen Streckenabschnitten angeht, hat der Veteran klar die Nase vorn. 51 Jahre Erfahrung und ein unvergleichliches Image hinterlassen ihre Spuren. Ulm kann mit nahezu familiären Charakter kontern. Dort die erlebnisorientierte, emotionale Bieler Nacht und hier das pure, sportliche Ultra Programm. Übrigens sollen zukünftig beide Veranstaltungen zeitlich ausreichend entkoppelt werden, so dass die Ultras an zwei höchst interessanten Events teilnehmen können.

 

Walter Mödinger